DORV-Zentrum Barmen (Dienstleistung und Ortsnahe Rundum Versorgung)

Das DORV-Zentrum Barmen ist ein moderner, nicht auf Gewinn ausgerichteter Tante-Emma-Laden, der Nahversorgung, Dienstleistungen, sozial/medizinische Dienste, Kommunikation und Kultur bündelt.

Besonders die  nicht (mehr) mobilen Menschen und jungen Familien können sich nun rundum selbst im Ort versorgen. Lebenslang in der gewohnten sozialen Umgebung leben,neue Wege zur Kommunikation und Information nutzen und die Lebensqualität verbessern sind die Kernziele des DORV-Zentrums. Mehr Infos unter: www.dorv.de

 

 

Formulare und Marmelade im selbst geschaffenen Service-Center

Wenn im Ort der letzte Laden schließt, reißt das für die Bewohner eine große Lücke. Barmer Bürger standen vor diesem Problem, nahmen ihre Versorgung aber selbst in die Hand. Heute gibt es in ihrem DORV-Laden Lebensmittel und alle wichtigen Dienstleistungen.

Geld abheben, zum Supermarkt, ins Reisebüro und zum Arzt gehen, Antragsformulare abholen – im 1.400 Einwohner-Dorf Barmen in Nordrhein-Westfalen musste man dafür zeitweise lange Strecken fahren. Doch 2004 hat der DORV e.V. mit dem DORV-Zentrum einen Laden eröffnet, in dem man von der Marmelade über die KFZ-Anmeldung bis hin zur Renten-, Sozial- und Suchtberatung alles findet. „Wir wollen, dass auch ältere Menschen möglichst lebenslang in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können. Dafür braucht es aber einfach mehr als nur einen Lebensmittelmarkt und einen Arzt“, sagt der Vorsitzende des Vereins DORV e.V. Heinz Frey.

Die Abkürzung DORV steht für „Dienstleistungen und ortsnahe Rundumversorgung“ und bezeichnet in Barmen diese Kombination aus Mini-Supermarkt und verschiedenen Service-Stellen unter einem Dach, darunter ein Reisebüro, Essen auf Rädern, Paketdienst, die Sparkasse, eine Versicherung und vieles mehr. Mit allen hat der Dorfladen Partnerverträge. Die Idee dazu entstand, als Ende der neunziger Jahre die letzten Geschäfte im Ort schlossen. Dagegen wollten der Lehrer Heinz Frey und die damalige Ortsvorsteherin Martina Dohmen etwas unternehmen, denn: Vor allem Ältere, die nicht mehr die sieben Kilometer bis zur Kernstadt Jülich fahren können, standen vor einem großen Problem.

Die Gründung des DORV-Zentrums zog sich allerdings hin. „Da ich in der Unabhängigen Wählergemeinschaft aktiv bin, war es schwierig, Unterstützung von Lokalpolitikern aus den großen Parteien zu bekommen“, erzählt Frey. Also gründete er mit seinen Mitstreitern einen Verein. So gelang es, auch die politischen Gegner einzubinden.

Allerdings darf ein Vereinsladen keinen Gewinn abwerfen. Auch hätten die Barmener Bürger keine Anteilsscheine kaufen und Privatdarlehen für die Anschubfinanzierung vergeben können. Die DORV-Aktiven gründeten eine Gesellschaft des bürgerlichen Rechts, kurz GbR. „Das ist relativ unkompliziert, da die Bürger als Gesellschafter nicht notariell eingetragen werden müssen.“ Doch auch diese Form hat einen Haken: Die Gesellschafter bürgen mit ihrem gesamten Privatvermögen.

Deshalb riefen die Barmener zusätzlich eine GmbH ins Leben, die nur ihr Stammkapital von 25.000 Euro riskiert. Gesellschafter ist wiederum die GbR. Damit basiert das DORV-Laden-Konzept auf drei verschiedenen Rechtsformen, die jeweils einen anderen Zweck erfüllen: „Der Verein ist das Bindeglied zwischen der Firma und den Bürgern, die GbR ist Kapitalsammelstation und die GmbH wickelt das Geschäft ab“. Ein Glücksfall, dass der DORV e. V. einen Steuerberater in seinen Reihen und gute Kontakte zu den Ökonomen vom Forschungszentrum Jülich hat. Sie haben das Konzept gemeinsam entwickelt. „Inzwischen arbeiten im Laden zwei Festangestellte, sechs Frauen sind auf 400-Euro-Basis beschäftigt und wir schreiben eine schwarze Null“, strahlt Heiz Frey.

Blieb eine letzte Hürde: Viele Handelsketten weigerten sich, den Laden zu beliefern, weil die täglich direkt vom Erzeuger aus der Region gelieferten frischen Produkte potentielle Umsätze noch weiter reduzieren. Mit der Markant-Gruppe haben die Barmener schließlich einen guten Partner gefunden. Sie liefert Lebensmittel, Tabakwaren sowie Zeitungen und Zeitschriften zu zivilen Preisen.

2005 gewann das DORV-Zentrum den 3. Platz des „Robert Jungk Preises“. Das Thema der Ausschreibung für soziale und kulturelle Projekte aus Nordrhein-Westfalen lautete: „Den demographischen Wandel gestalten - Chancen für Gesellschaft und Ökonomie". Darüber hinaus wurde das DORV-Zentrum zu einem von bundesweit „365 Orten im Land der Ideen“ gekürt.

Geschrieben von: Ines Windheuser
Bearbeitet von: Selina Byfield

Expertentipp:
Um von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ein Existenzgründerdarlehen über 33.000 Euro zu bekommen, musste für den Rest der 100.000 Euro Startkapital ein wasserdichtes Finanzierungskonzept her. Ein Viertel der Gesamtsumme erbrachten private Darlehen mit dreiprozentiger Verzinsung, die größtenteils erst nach fünf Jahre getilgt werden müssen. Für weitere 25.000 Euro kauften Barmer Bürger Anteilsscheine zu je 250 Euro. Den Gegenwert der eigenhändigen Umbauarbeiten konnte die DORV-Firma mit 20.000 Euro veranschlagen. Einen Teil der 15.000 Euro für eine Machbarkeitsstudie zahlte das Land, weil das Konzept nicht nur für Barmen, sondern auch für andere Dörfer in der Region überprüft wurde. Ein Glücksfall, sagt Heinz Frey: „Ohne Machbarkeitsstudie geht es nicht. Jeder Standort hat seine Besonderheiten, die man berücksichtigen muss“. Inzwischen bieten die DORV-Macher solche Beratungsleistungen und Basisanalysen selbst bundesweit an, um anderen Dörfern und Stadtteilen bei der Umsetzung zu helfen.

Kooperationen:
Im September 2005 hat die Markant-Gruppe eine so genannte Nahversorger-Offensive gestartet. In diesem Rahmen beliefert die Handelskette gezielt kleinere Lebensmittelläden, die selbständig betrieben werden und nicht über das Franchise-System angeschlossen sind. Der DORV-Laden bringt die Waren unter der Markant-Marke „IK – Ihr Kaufmann“ an den Bürger.